Die Archive im Einzelnen - Karlsruhe

Das Generallandesarchiv in Karlsruhe

Das traditionsreiche Generallandesarchiv Karlsruhe ist heute zuständig für das Schriftgut der Landesbehörden und Gerichte im Regierungsbezirk Karlsruhe und die dort angesiedelten regionalen Bundesbehörden. Den historischen Kern dieser in einem 1905 fertig gestellten Zweckbau untergebrachten Abteilung aber bildet die Überlieferung der Markgrafen von Baden, die Archive der Bischöfe von Speyer und Konstanz, Teile der bischöflichen Archive aus Straßburg und Basel, Archive der Ritterorden und vor allem viele Archive aufgehobener Klöster wie Salem, Reichenau, St. Blasien, St. Peter, Schwarzach oder Frauenalb. Aus diesen Klöstern stammen die meisten der rund 130 000 Urkunden. Mit der Mediatisierung gelangten die Kantonsarchive der Reichsritterschaft und Teile der reichsstädtischen Archive hierher, ebenso Teile des kurpfälzischen Archivs und vorderösterreichische Archivalienüberlieferung. Von großer Bedeutung ist weiterhin die archivalische Überlieferung der obersten Verwaltungsebene des Großherzogtums Baden aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Dazu zählen die Akten des badischen Landtags und der Ministerien, die Überlieferung der großherzoglichen Hofbehörden, aber auch des badischen Armeekorps im preußischen Heer sowie die Überlieferung der badischen Mittel- und Unterbehörden aus dem nordbadischen Raum als unerschöpflicher Fundus für die Regional- und Ortsforschung. Das Großherzogliche Familienarchiv befindet sich im Gebäude, ferner sind zahlreiche Adels- und Privatarchive hinterlegt, aber auch Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. In den reichhaltigen Sammlungen finden sich Karten und Pläne ebenso wie Plakate, Bildnisse und Fotografien.

Die Bestände des Genereallandesarchivs Karlsruhe (GLA) betreute Überlieferung wird in fünf Hauptgruppen unterteilt:

A  Ältere Bestände (vornehmlich aus der Zeit vor ca. 1806); (Institutionen und Herrschaften des „Alten Reichs“)

B  Dynastie und Regierung (Haus- und Staatsarchiv, Großherzogliches Familienarchiv, Hofbehörden)

C  Neuere Bestände (vornehmlich ab 1800) (Badischer Landtag, Rechnungshof, Ministerien, Ober-, Mittel- und Unterbehörden, Gerichte usw.)

D  Sonderbestände

E  Nichtstaatliche Archive und Nachlässe.

Von diesen Beständen sind die „Älteren Bestände“ (A) von Interesse; sie reichen vielfach bis in die Zeit des ausgehenden Mittelalters zurück und sind für die Neuzeit (ab ca. 1500) sehr reichhaltig. Darin finden sich

A1  Urkunden (u.a. weltliche und geistliche Territorien, Städte etc.),

A2  Amtsbücher (Protokolle, Rechnungen, Kompetenzbücher, Nekrologe und Anniversarien, Beraine, Rödelselekte Kopialbücher, Repertorien),

A3  Akten (u.a. weltliche und geistliche Territorien, Ämter, Centen und Waldgenossenschaften, Städte etc.).

Besonders die den Amtsbüchern zugeordneten „Protokolle“ bieten ein Spiegelbild der Lebensbedingungen der jeweiligen Zeit und eröffnen einen Einblick in die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Südbadens. Die zahlreichen protokollierten Ereignisse erzählen Begebenheiten, mit denen Namensträger(innen) zu tun hatten. Diese Protokolleinträge sind Zeugnisse über Licht- und Schattenseiten des Lebens, über große und kleine Amts- und Gerichtsvorgänge und vieles mehr.

Wenn aus Kirchenbucheintragungen die Grundstrukturen des Lebens von Namensträger(innen) bzw. ihren Familien in Form von Geburts-, Ehe- und Sterbefällen zu gewinnen sind, so liefern die Funde aus der Archivarbeit die biographischen Inhalte, deren Spannweiten für die einzelnen Personen und ihre Familien von alltäglich bis schicksalhaft reichten.