Lenzkirch

 

Auszug aus:

„Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden", Ministerium des Inneren (Hrsg.), Carlsruhe, 1855 (nach der Bevölkerungsaufnahme vom Dezember 1852); Seekreis - Bezirksamt Neustadt, S. 29 ff.:

Gemeinde

Lenzkirch, bestehend aus ...

Zahl der Familien

Zahl der Personen, davon

männlich

weiblich

gesamt

Oberlenzkirch mit ...

142

392

427

819

... Mööslehof

1

1

2

3

... Schloßmühle

1

4

2

6

Unterlenzkirch mit ...

59

138

179

317

... Löffelschmiede

3

4

5

9

... Rudbühl

4

13

10

23

... Trentschel

3

9

8

17

... Ziegelhütte

4

8

15

23

Olpenhütten

3

11

8

19

Summa

220

580

656

1.236

Auszug (ohne Quellenangaben in Fußnoten) aus:

„Die Gemeinden der Amtsbezirke Donaueschingen und Neustadt in historischer Darstellung", Heizmann, Ludwig (Hrsg.), München, 1933, S. 61:

Lenzkirch

Bevölkerung

Anzahl Einwohner

1825

1875

1900

1925

981

2117

1812

1741

Ortsname

Kirche des Lanto.

Schreibweisen: Lenzkilcha ca. 1200; Lenczchilch 1312; Lenzkilche 1315; Lentzchilche 1324; Lenzekilche 1334; Lentzkirch 1484.

Geographisches

808 Meter, die früheren zwei politischen Gemeinden Lenzkirch und Unterlenzkirch, seit 1924 zu einer Gemeinde geeinigt, liegen in einem von Bergen geschützten Seitentale der Wutach, 10,3 km v.d. Amtsstadt. Zu Lenzkirch gehören die Höfe Moslehof (Mieslehof), zu Unterlenzkirch die Zinken Kuhbühl, und auf dem Trenschel einige Häuser Löffelschmiede, Im Ruhbach mit Schleifensäge, die abgeg. Gemarkung Olpenhütte (unbewohnt), liegt am Höhenweg Neustadt-Hochfirst-Lenzkirch, hier Wegteilung: a) Hinterhäuser-Schluchsee-Höchschwand nach Waldshut, b) über Dresselbach-Rothaus nach Waldshut. Gemarkung: Größe im ganzen 1875 Hektar; davon sind Ackerfeld 291 Hektar, Wiesen 253 Hektar, Wald 1205 Hektar. Eigentumsgrundstücke sind es im ganzen 1100, Wohngebäude 253, landwirtschaftliche Betriebe im ganzen 157; davon haben eine Fläche von unter 2 Hektar 66, 2 bis unter 10 Hektar 82, 10 bis unter 20 Hektar 8, 20 bis unter 50 Hektar 1; aufgeteilte Allmende im ganzen 57 Hektar; davon entfallen auf Ackerfeld 40, Wiesen 17 Hektar.

Wirtschaftliches

Landwirtschaft, Waldarbeit; Beamte: Arzt und Apotheke, f.f. Oberförster, Steueraufseher, Gendarmerie; Gewerbe: Lenzkirch, 10 Wirtschaften; Unterlenzkirch, 3 Wirtschaften, 1 Brauerei. In der ganzen Gemeinde alle Lebensmittelgeschäfte, 5 Metzger, 4 Bäcker, 10 Krämer, 1 Delikatessenhandlung, 3 Friseure, 1 Privat-Fischzuchtanstalt, Gemüsehändler, 26 selbst. Kaufleute, 32 selbst. Handwerksmeister, Luftkurort mit Bad, Schwimmbad, Solbäder; Industrie: Sitz reger Schwarzwälder Industrie, größte Uhrenfabrik im Schwarzwald, 296 Industriearbeiter überhaupt, davon 73 weibliche, 25 sind außerhalb ihres Wohnortes beschäftigt, davon 3 weibliche; Wohltätigkeit: 1. Anstalt mit St. Vinzentiusschwestern Freiburg, a) Gemeindekrankenhaus-Erholungsheim, gegr. 1861, für Erholungsbedürftige (30); Träger der Anstalt ist der Krankenhausfond Lenzkirch, Bad im Haus, Centralheizung, Warmwasserversorgung, Gottesdienst im Hause; b) Schwesternhaus (Krankenverein) für Hauskrankenpflege; c) Kinderbewahranstalt. 2. Erholungsheim für Kreuzschw. Hegne (Niederlassung des Mutterhauses).

Ortsgeschichte

Der Ort ist erstmals ca. 1200 urkundlich erwähnt. Ursprünglich war L. Sitz eines Zähringischen Ministerialgeschlechtes, wohl Verwandte der Urach, deren Burg Alturach in der Nähe lag. Im Jahr 1296 kam der Ort als Lehen Stühlingen an die Herren von Freiburg, dann an die Blumenegg und endlich an die Fürstenberg. Die Witwe Conrads von Blumenegg, Frau Elisabeth von Bisingen, schenkte 1316 den Johannitern den Kirchensatz. Die Herrschaft Lenzkirch bestand aus den Vogteien bzw. Gemeinden Kappel, Ober- und Unterlenzkirch, Fischbach, Raitenbuch, Saig, Falkau, sowie dem Klösterlein Grünwald und kam 1488 durch Kauf von den Herren von Blumenegg an die Grafen von Fürstenberg (Landgrafschaft Baar), ist seit 1806 badisch.

Lenzkirch hatte einen Ortsadel. Nach 1131 ist ein „Swiggerus de Lendischilicha" erwähnt, 1331 ein Berchtold von L., 1359 ein Gottfried von L., in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. ein Junker Balthasar selig von L.

Die Burgruine Schloß Urach: Die Burg lag ca. eineinhalb Kilometer von Lenzkirch. 1316 ist die Burg „ze Ura" zuerst genannt. 1404 wird der Turm Ura letztmals angeführt. An der Landstraße von Saig nach Lenzkirch liegen auf einem Bergvorsprung noch geringe Trümmer der ehemaligen Burg. Dieselbe beherrschte das Haslachbachtal. Reste der Burgmauer von 40 Meter lang, 2-4 Meter hoch sind noch erhalten. Das noch vorhandene Bruchsteinmauerwerk ist ca. 1,2 Meter dick. Reste eines ehemaligen Wohntrums bis zur Höhe von 8 Meter sind dabei ebenfalls erhalten. Die Mauerspuren sind heute mit Epheu, Gestrüpp u.a. überwachsen.

Im Jahr 1813 war ein großer Brand, der einen großen Teil der Häuser in Schutt legte. Durch Neubauten wurde das Ortsbild sehr verschönert. Das Schulhaus Lenzkirch wurde 1820 erbaut. Die Schüler von Unterlenzkirch gingen nach Lenzkirch in die Schule. Nach 1900 wurde in Unterlenzkirch ein neues Schulhaus erbaut und eine Schule errichtet. Oberlenzkirch und Unterlenzkirch waren bis 1924 zwei politische Gemeinden. 1924 wurden die beiden Dörfer zur einen Gemeinde Lenzkirch vereinigt.

Kirchliches

Die Pfarrei ist alt. 1275 ist die Kirche in L. im Dekanat „Swainingen" erwähnt, 1497 im Dekanat Stühlingen. 1427 war ein Priester Leonhard Lauginger, Bacalaureus der 7 Künste, Leutpriester zu L. 1512 war ein Hans Hag Kirchherr zu L. Die jetzige St. Nicolaus-Pfarrkirche wurde nach dem Brande von 1813 neu erbaut, 1872 rest., 27 x 11 x 9,70 Meter, stillos nach Weinbrennerischer Art. Der Turm stammt in seinem Untergeschoß von der alten Kirche aus 1562. Das Untergeschoß ist durch Scharten erhellt. Unter dem Abschlußgesimse steht die Jahreszahl 1562. Die innere Ausstattung der Kirche ist Barock und soll aus der alten St. Johanneskirche in Konstanz stammen, so der Taufstein aus Untersberger Marmor, Chor und Kirchengestühl. Eine zinnerne Hostienbüchse vom Jahr 1709 stammt ebenfalls aus der selben Kirche in Konstanz. Im Langhause steht ein metallbeschlagenes Prozessionskreuz aus dem 16. Jh. Auf den mit eingravierten Ornamenten bedeckten Kreuzesarmen sind die 4 Evangelisten und die 4 Kirchenväter dargestellt. Auf der Rückseite der modellierte Leib Christi, auf der Vorderseite die eingravierte Darstellung der Mutter Gottes mit dem Jesuskinde auf dem Arme. Eine ältere Glocke auf dem Turme ist 1723 von Rosenlecher in Konstanz gegossen. Der Gottesacker ist 1 km von der Kirche entfernt. Auf dem Friedhofe steht die romanische St. Eligiuskapelle, 142 Quadratmeter, sehr alt, 1886 vergrößert und rest., nach der Sage die Schloßkapelle der Herren von Urach. Das Pfarrhaus ist 1814 erbaut, 1908 rest., bei der Kirche etwas tief gelegen. Das Johanniterhaus in Lenzkirch wurde 1323 gegründet. Die gnädige Frau Elisabeth von Bisingen, Witwe des Edelmannes Konrad von Blumenegg, war die Stifterin des Hauses St. Johanniter-Ordens des Hospitales zu Jerusalem. 1326 sind die Brüder und Schwestern des Stiftes St. Johanniter-Ordens zu Lenzkirch genannt, ebenso 1328 und 1331. Weitere Nachrichten fehlen.

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