Mistelbrunn

 

Auszug aus:

„Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden", Ministerium des Inneren (Hrsg.), Carlsruhe, 1855 (nach der Bevölkerungsaufnahme vom Dezember 1852); Seekreis - Bezirksamt Donaueschingen, S. 18 ff.:

Gemeinde

Zahl der Familien

Zahl der Personen, davon

männlich

weiblich

gesamt

Mistelbrunn

17

41

53

94

Summa

17

41

53

94

Auszug (ohne Quellenangaben in Fußnoten) aus:

„Die Gemeinden der Amtsbezirke Donaueschingen und Neustadt in historischer Darstellung", Heizmann, Ludwig (Hrsg.), München, 1933, S. 36:

Mistelbrunn

Bevölkerung

Anzahl Einwohner

1825

1875

1900

1925

50

77

77

62

Ortsname

Brunnen, Quelle, an der die Mistel vorkommt.

Schreibweisen: Mistelbrunne, 1145; Mistelbrunnen, 1310, Müstelbrunnen, 1384.

Geographisches

702 Meter. Die Gemeinde besteht aus der Gemeindegemarkung Weiler (Dorf) Mistelbrunnen und der abgesonderten Gemarkung Habseck (unbewohnt).

Gemarkung: Größe im ganzen 370 Hektar, Eigentumsgrundstücke 74, Wohngebäude 15, landwirtschaftliche Betriebe 11.

Ortsgeschichte

Der Ort ist erstmals rukundlich 1145 als „Mistelbrunne" erwähnt. M. ist eine Stiftung von Reichenau her. Dahin weist auch die St. Marxenkapelle, die früher noch zur Mark Bräunlingen und in die dortige Pfarrei gehörte. Dem im Jahre 1064 eingeweihten Kloster in Schaffhausen fielen 1145 Güter in M. zu. Mistelbrunn war bis 1806 fürstenbergisch (Landgrafschaft Baar). Die Schüler in M. (16) gehören in den Schulverband Hubertshofen.

Ortsadel von Mistelbrunn: M. hatte einen eigenen Familienadel. 1343 ist ein Bruder Johann von Mystelbrunnen Bürger zu Villingen genannt.

Fund: Ein Erzbeil. Uralte Kalkbrennereien. Um 1880 wurden etwas südlich von Hubertshofen im Hochwalde ausgemauerte runde Vertiefungen aufgedeckt, die teilweise noch mit Kalksteinen gefüllt waren. In einer derselben war der Kalk sogar zur Hälfte gelöscht. In allen zeigten sich Brandspuren. Diese Vertiefungen waren also uralte Kalkbrennereien. Da sie im Buntsandstein stehen, mußten die Kalksteine weiter hergebracht werden.

Kirchliches

Mistelbrunn war ursprünglich Filiale zu Bräunlingen, heute zu Hubertshofen. 1491 ist die Mistelbrunner Kirche genannt. Die jetzige Kapelle St. Marci ev. ist im 14. oder 15. Jahrhundert als große Kirche erbaut, im 18. Jahrhundert verkleinert und 1855 restauriert. Der St. Markuskapelle in M. wurde iene Partikel von den Reliquien des hl. Evangelisten Markus vom Kloster Reichenau verehrt.

Wallfahrt zum hl. Evangelisten Markus. Die Wallfahrt wurde vom Kloster Reichenau gegründet. Eine Legende berichtet, daß in der Kirche die Überreste einer „Seligen", einer Frau aus der Familie der von Almshofen, begraben wurden. Sie wird Ruchtraut von Almshofen genannt und soll alle Samstagnacht von ihrer Behausung in das Kirchlein von M. gewallfahrtet sein. Dabei habe ihr bei strenger Winterszeit ein Hirsch, der auf den Enden des Geweihes zwölf Licht getrachten, den Weg gezeigt. Ihrem Wunsche gemäß haben ein paar Ochsen, die noch niemals ein Joch getragen, ihren Leichnam ohne Führung auf einem Wagen fortgezogen und nach M. gebracht. Ein Bild, das ihre Überführung darstellt und nochheute in der Kirche hängt, stammt vom Jahre 1584, erneuert 1725 von der Gemeinde Almenshofen. In der Kirche sind das Jahr hindurch hl. Messen, am Sonntag in der Octav und am Feste selbst ist Hauptwallfahrtsfeier. Den „guten Herrn St. Marx" ruft man gern an in Sorgen wegen des Wetters.

Oedekirche: Sie ist 1310 erstmals erwähnt und lag am „Bruderbächle" zwischen Bräunlingen und Mistelbrunn, bildete anscheinend zeitweise für das früher stärker als heute bevölkerte Waldgebiet den religiösen Mittelpunkt (mhd. öde = unbebaut, unbewohnt, hier = verlassen). Gerner ist sie 1338, 1384, 1448 genannt.

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