Mundelfingen

 

Auszug aus:

„Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden", Ministerium des Inneren (Hrsg.), Carlsruhe, 1855 (nach der Bevölkerungsaufnahme vom Dezember 1852); Seekreis - Bezirksamt Donaueschingen, S. 18 ff.:

Gemeinde

Zahl der Familien

Zahl der Personen, davon

männlich

weiblich

gesamt

Mundelfingen

126

358

371

729

Lochmühle

1

5

3

8

Summa

127

363

374

737

Auszug (ohne Quellenangaben in Fußnoten) aus:

„Die Gemeinden der Amtsbezirke Donaueschingen und Neustadt in historischer Darstellung", Heizmann, Ludwig (Hrsg.), München, 1933, S. 38:

Mundelfingen

Bevölkerung

Anzahl Einwohner

1825

1875

1900

1925

596

738

664679

Ortsname

Bei den Angehörigen des Munolf.

Schreibweisen: Munolvingas, 816; Munovingen, 1200; Munuelfingen, 1386; Mullefingen, 1432, Mulafingen, 1524.

Geographisches

725 Meter, Dorf an der linken Seite der Wutach, 11,4 km v.d. Amtsstadt, Bahnstation Döggingen oder Hausen vor Wald 4,5 km, Arzt und Apotheke Hüfingen 8,4 km. Zur Gemeinde gehört noch ein Haus (Jungviehweise) 2 km.

Gemarkung: Größe im ganzen 1524 Hektar, Eigentumsgrundstücke 3707, Wohngebäude 135, landwirtschaftliche Betriebe 144, aufgeteilte Allmende 35 Hektar.

Wirtschaftliches

(St. v. 16.5.25): Landwirtschaft; Gewerbe: 3 selbst. Kaufleute, 6 selbst. Handwerksmeister; Wohltätigkeit: Schwesternhaus, Franziskanerinnen von Erlenbad seit 1911 für Hauskrankenpflege, Kinderbewahranstalt, Jugendherberge und Wanderheim Villinger Naturfreundehaus „Burgmühle Gauchachschlucht", Träger desselben ist Gau Baden des Touristenvereins „Die Naturfreunde", Ortsgruppe Villingen.

Ortsgeschichte

M. ist erstmals urkundlich 816 erwähnt als „Munofingen". Der St. Gallische Besitz von M. , den eine Schenkung von 791 begründete, wurde 816 durch Güter abgerundet. Zu M. stand ein St. Gallischer Fronhof.

Ortsadel von Mundelfingen: 1086 wird ein Ritter Heinrich von „Munolvingen" genannt. 1297 war Alexander von „Munolfingen" Bruder des Johanniterhauses in Freiburg. Als letzter Sprößling des Adelsgeschlechts ist 1352 Diethelm „de Munovingen" erwähnt, der zu Allmut seßhaft war. Sitz der Adelingen „Der Herrengarten", jetzt nur noch Mauerreste an der Kleingasse.

Vorgeschichtliche Funde: Im Jahre 1874 wurde im Gewann „Gatter", Walddistrikt „Kohlhau" östlich am Wege nach Opferdingen ein Grabhügel durchgegraben. In ihm waren aber nur noch Tonscherben enthalten. In der Nähe des Walddistriktes „Bärenholz" wurden einige prähistorische Gefäßreste gefunden. Bürgermeister Schütz fand einen Kupferring mit Siegesgöttin von Constantius 325 am Katzensteig.

In der Gemeindewaldung M. liegt die Ruine Hardeck auf einem steilen Abhang gegen Aselfingen. Uaerreste sind nicht mehr sichtbar. Alles ist von Erdreich überdeckt. Spuren eines Wallgrabens lassen sich noch feststellen.

Der Ort war bis 1806 fürstenbergisch, kam dann an Baden. Das neue Schul- und Rathaus wurde 1909 erbaut.

Kirchliches

Mundelfingen war ursprünglich Filiale zur Urpfarrei Aselfingen, zu der außerdem noch einst als Filialen Achdorf, Eschach, Oberdingen, Überachen und nach Volksüberlieferung auch Riedböhringen gehörten. Von M. führt der „Totenweg" zum Aselfinger Friedhof, d.h. ein Weg, auf dem man einst die irdischen Überreste der Filialisten auf den Gottesacker der Mutterpfarrei brachte. M. taucht seit 1225 als Pfarrei auf. St. Gallen besaß das Patronat über die neu errichtete Pfarrei. 1275 ist die Kirche M. im Dekanat Pfohren genannt. Zwischen 1360 bis 70 war die Kirche mit den Filialen „Oethfridingen und Escha" im Dekanat Löffingen. 1443 ist der Kirchenpfleger des „hl. S. Gallen zu Monelfingen", 1488 „unser Frowen" von M., 1489 S. Jörgen Gotteshaus zu „Monelfingen" genannt. In einem Eintrage in dem 1535 angelegten Jahrzeitbuche von M. werden verschiedene Mitglieder der Familie der Ritter von Grünburg als Stifter der Pfarrkirche genannt. 1462 wurde die heutige Pfarrpfründe errichtet.

Die jetzige Pfarrkirche St. Georgii ist 1750 erbaut, im Rokokostil 1889 ausgemalt von Baumeister Tunnb (Thumb), 1926/28 im Schiff restauriert, 30,8 x 13,60 x 10 Meter, eben gelegen. Die alte Kirche stand auf dem Friedhof, erbaut im Jahre 1200, nach dem 30jährigen Kriege repariert, daneben das Pfarrhaus, das jetzt noch steht. Im Chore steht der Grabstein des Pfarrers Joa Georg Welte, geb. 1706, + 1733. Dieser Welte erbaute die Kirche ganz aus eigenen Mitteln. Welte war von M. und Pfarrer von 1743 - 73. Die St. Margaretenkapelle - Vierzehnnothelferkapelle - ist 1340 erbaut, 1744 umgebaut, 128 Quadratmeter, stillo.s

Der Gottesacker 0,5 km mit Gottesackerkapelle ohne Patron ist 1862 erbaut, 22 Quadratmeter, stillos. Eigentümer ist der Engessersche Armenfonds, der auch die Baupflicht hat. Das Pfarrhaus ist als, 1926/28 restauriert, bei der Kirche etwas erhöht gelegen.

Das neue Pfarrhaus, ursprünglich ein Bauernhaus, erbaut 1555, wurde nach Vollendung der Kirche 1750 zum Pfarrhaus umgebaut. Das ursprüngliche Pfarrhaus steht neben dem Friedhofe und wurde von Pfarrer Welte gegen das jetzige eingetauscht und von den Verwandten des Pfarrers Welte bewohnt. Ein Nachkomme dieser Welte ist der 1802 zum Priester geweihte spätere Prof. Melchior Welte. Später war er Schuldekan und starb in Steinach.

Die Kaplaneipfründe ist z.Z. im Besitz der Altkatholoken. Das Kaplaneihaus ist 1575 erbaut, 1830 restauriert. Unterm 25. Febr. 1873 wurde den Altkatholiken die St. Margarethenkapelle samt der mit ihr verbundenen Pfründe überwiesen. Damit aber waren sie nicht zufrieden. Sie wollten in die Pfarrkirche und erlangten sie auch. Am 8. Mai fand der traurige Auszug der Katholiken statt. Pfarrer Gruber, dem über all diese Trübseligkeiten das Herz brach, trug wie ein Kind weinend, das Allerheiligste in die St. Margaretenkapelle. Schluchzend folgte die Gemeinde. Die Pfarrkirche kam später wieder an die Katholiken, 1883. Die Altkatholoken erhielten die St. Margaretenkapelle, die heute noch durch die Altkatholiken gehindert ist. Die Feier des Patroziniums St. Margareta findet am Sonntag innerhalb der Octav mit Predit und Amt als Hauptgottesdienst in der Pfarrkirche statt.

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