Raiselfingen

 

Auszug (ohne Quellenangaben in Fußnoten) aus:

„Die Gemeinden der Amtsbezirke Donaueschingen und Neustadt in historischer Darstellung", Heizmann, Ludwig (Hrsg.), München, 1933, S. 46 f.:

Reiselfingen

Bevölkerung

Anzahl Einwohner

1825

1875

1900

1925

312

477

467

486

Ortsname

Bei den Angehörigen des Risolf.

Schreibweisen: Risovingin, 1218; Risovingen, 1270-1347; Riselfingen, 1361, Ryselfingen, 1433; Risselvingen, 1484.

Geographisches

776 Meter, Dorf an der Südseite eines Bergrückens an der Wutach, liegt im südwestlichen Ende der Berthold-Baar, welche durch die Wutach vom Albgau getrennt ist. Bahnstation Reiselfingen auf Gemarkung Seppenhofen 1,6 km, Post, Arzt und Apotheke Löffingen, 3,8 km. Zur Gemeinde gehört nach Weiler Dietfurt im Wutachtal, 2 km.

Gemarkung: Größe im ganzen 993 Hektar, Eigentumsgründstücke 1396, Wohngebäude 87, landwirtschaftliche Betriebe 86, aufgeteilte Allmende 166 Hektar.

Wirtschaftliches

(St. v. 16.5.25): Landwirtschaft; Gewerbe: 3 selbst. Kaufleute, 7 selbst. Handwerksmeister; Industrie: 23 Industriearbeiter, alle außerhalb ihres Wohnortes beschäftigt.

Ortsgeschichte

Der Ort ist erstmals urkundlich 1218 als „Risolvingen" erwähnt. Das Stift St. Blasien besaß schon frühzeitig hier einen Hof, den es von Walter von Buchheim um 19 Mark Silber erkauft hatte, welchem der vierte Teil von Zwing und Bann zustand. Dieser Verkauf geschah am 19. Sept. 1280 mit Genehmigung des Grafen Heinrich von Fürstenberg und der Brüder Egon und Heinrich, grafen von Freiburg, deren Vasall (ursprünlich Lehmann) Walter war. In der Zeit bildete R. einen Teil der Herrschaft der Herren von Schellenberg, welche ihren Sitz auf dem Schlosse Neuenburg hatten. Dieselben teilten sich in den Besitz des Großzehnten. 1722 brannte das ganze Dorf bis auf die sog. Hub nieder. Bis 1806 war es fürstenbergisch (Landgrafschaft Baar), kam dann an Baden. Bis 1853 gehörte R. zum Amtsbezirk Neustadt, dann Bonndorf, seit 1920 zu Donaueschingen. Das Schulhaus ist 1896 erbaut.

Funde: Alemannische Gräber. An verschiedenen Stellen wurden alemannische Plattengräber mit Beigaben, wie Eisenwaffen, Schmuck u.a. aufgefunden; ferner römische Münzen.

Vorgeschichtliche Höhlen: Trichtergruben.

Kirchliches

Die Pfarrei ist als. 1275 ist die Kirche R. im Dekanat Pfohren genannt. Zwischen 1360 bis 1370 im Dekanat Löffingen erwähnt. Sie erhielt frühe schon den Patron Säckingens, den hl. Fridolin, als Kirchenpatron, war dem Altare der allerseligsten Jungfrau Maria im Kloster Säckingen einverleibt. 1509 verkaufte das Kloster Säckingen das Patronatsrecht von R. an Fürstenberg.

Mit dem Sinken und der Unzulänglichkeit des Einkommens wurde R. Filiale von Löffingen, als welches es 1508 erscheint. Nach längeren Unterhandlungen erhielt die frühere Pfarrei R., die schon 1275 selbständig war, 1745 wieder einen Kaplan oder Pfarrvikar am Orte. Die Gemeinde mßte ösich aber an den päpstlichen Nuntius in Luzern wenden, um gegen das bischöfliche Ordinariat die Übertragung des für R. 1721 in Löffingen St. Fridolinsbeneficium durchzusetzen. Ds Ordinariat Konstanz hatte die von den Einwohnern von R. verlangte Verlegung nach R. abgelehnt. Der päpstliche Nuntius vertrat durch einen Spruch das Recht der Einwohner von R. die Lokalkaplanei wurde 1816 staatlicherseits zur Pfarrei erklärt. 1817 von Konstanz „kanonisch" errichtet. Die jetzige St. Fridolinspfarrkirche ist 1769 im Renaissance-Stil erbaut, 1775 konsekriert, 1819 vergrößert, 1875 restauriert, 27 x 10 x 8 Meter, eben gelegen. Der Gottesacker ist 1 km entfernt.

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